Der Begriff „Fotographie“ stammt aus dem Griechischen: „photo“ – Licht, Helligkeit und „graphein“ – zeichnen, malen, ritzen. Die Fotographie ist die Erzeugung eines dauerhaftes Bildes bzw. Abbildes durch Strahlungen, durch sichtbares Licht (Lichtbild), auf einem Material (Platte, Papier und Film), dessen Eigenschaften (chemisch, physikalisch) sich durch die Lichteinstrahlung verändert (fotochemische Reaktion). Die Fotographie ist der Wegbereiter für Film und Fernsehen.
Die Fotographie hat in ihrer knapp 200jährigen Geschichte ein rasantes Entwicklungstempo genommen – von den Anfängen bis zur heutigen Digitaltechnik.
Nachdem sich der Franzose Nicéphore Niepce (1765-1833) mit der Lithografie (Flachdruckverfahren) beschäftigte, begann er 1816 sich mit den mechanischen und chemischen Verfahren und Techniken der Fotographie zu beschäftigen. Es gelang ihm, mit einer Camera obscura (Lochkamera) Bilder auf Chlorsilberpapier festzuhalten, die jedoch nur kurzzeitig haltbar waren, da die Fixierung fehlte und die Fotographie im Laufe der Zeit verblasste. Durch Weiterentwicklung und Forschung gelang es ihm 1824 erstmals ein Bild zu fixieren. Jedoch kann man diese Fotographie nicht als die erste in der Geschichte bezeichnen, da für die Aufnahme keine Lochkamera verwendet wurde. Als erste (noch erhaltene) Fotographie der Welt gilt die Aufnahme aus dem Jahr 1826 – Blick aus dem Fenster in Les Gras (achtstündigen Belichtungszeit, Format 16,5 x 21 Zentimeter). Niepce verwendete zur Fixierung eine chemische Substanz aus lichtempfindlichem Asphaltstaub, der auf eine polierte Zinnplatte aufgetragen wurde. Dieses Verfahren nannte er „Heliographie“ (Sonne – Helios, Zeichnen – graphein), bei der die schwächer belichteten Asphaltpartien mit Petroleum und Lavendelöl herausgelöst wurden. Da seine Entdeckung keinerlei wirtschaftliche Verwertung fand, begann er 1829 mit dem französischen Maler und Erfinder Louis Daguerre (1787-1851) in regen Schriftwechsel und Erfahrungsaustausch zu treten, um die Entwicklung voranzutreiben und Möglichkeiten zu finden, seine Technik zu „vermarkten“.
Daguerre, der sich ebenfalls mit der Fixierung der Aufnahmen, beschäftigte, setzte nach dem Tod von Niepce die Entwicklung fort, die letztendlich 1839 zur „Daguerreotypie“ führte. Daguerreotypie ist ein fotographisches Verfahren, bei dem das Motiv auf eine versilberte Kupfer- bzw. Jodsilberplatte übertragen und durch Quecksilber-Bedampfung bzw. Kochsalzlösung fixiert wird. Damit wird eine sehr hochwertige und detaillierte Fotographie (Unikate) wiedergegeben. Mit dieser Technik gelang es, die Fotographie weltweit zu vermarkten. Anfänglich waren, wegen hoher Belichtungszeiten, fast nur „starre“ Motive aufzunehmen, später erlangten die Porträtaufnahmen (kleinformatig, goldgetont) mit wesentlich geringeren Belichtungszeiten, immer mehr Popularität. Jedoch sei bei der Daguerreotypie bemerkt, dass für den Fotographen, wegen giftiger Dämpfe, ein hohes Gesundheitsrisiko bestand.
Der Engländer William Henry Fox Talbot (1800-1877) arbeitete in verschiedenen Wissenschaftsbereichen, so auch (zeitgleich mit Niepce und Daguerre) auf dem Gebiet der Fotographie. Er ist der Erfinder bzw. Entwickler der „Kalotypie“ (Talbotypie), ein spezielles Papierverfahren der Negativ-Positiv-Technik, die es erlaubte, dass von einer Aufnahme mehrere Abzüge der Fotographie gemacht werden konnten. Am 8. Februar 1841 meldete Talbot (im August 1835 wurde das erste Papiernegativ aufgenommen) sein Verfahren zum Patent an. Obwohl diese Technik nicht mit der Brillanz und Qualität der Daguerreotypie-Aufnahmen vergleichbar waren und sind, gilt dieses Verfahren seit etwa 1860 als Grundlage der Fotographie und ihrer Prozesse. Talbot veröffentlichte bereits illustrierte Fotobücher.
In den nachfolgenden Jahren wurden Technik und Verfahren der Fotographie weiterentwickelt. Besonders die Reduzierung der langen Belichtungszeiten stand im Fokus der Wissenschaftler. 1840 gelang es dem ungarischen Physiker und Mathematiker Jozef Maximilián Petzval (1807-1891) auf dem Gebiet der geometrischen Optik, lichtstarke Objektive (1/3,5), wie das vierlinsige Porträt- und Landschaftsobjektiv (Petzval-Linse) zu entwickeln, die es erlaubten, die Belichtungszeiten auf weniger als eine Minute zu reduzieren, die nun die Fotographie von Personen ermöglichten.
Der Brite Frederick Scott Archer (1813-1857) konnte 1851 mit der Entwicklung „seiner“ Kollodium-Nassplatte einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Fotographie legen. Mit diesem Belichtungsverfahren war es möglich, dass Glasplatten, nachdem sie mit lichtempfindlichen Chemikalien (Kollodiumlösung) behandelt wurden, nass belichtet und danach in einer Silbernitratlösung entwickelt werden konnten. Dadurch waren auch geringe Belichtungszeiten möglich. Das Plattenverfahren nennt man auch „nasses Kollodiumverfahren“. Der englischen Arzt und Hobbyfotograf Richard Leach Maddox (1816-1902) entwickelte 1871 die Trockenplatte, bei der eine lichtempfindliche Trockenschicht (Silberbromid-Gelatine) auf die Platte aufgetragen wurde, die eine kurze Belichtungszeit und zudem eine industrielle Vorfertigung dieser Trockenplatten ab 1875 ermöglichte. Damit war der Grundstein für das heutige Filmmaterial und die kommerzielle Fotographie gelegt.
George Eastman (1854-1932), ein US-amerikanischer Unternehmer und Mitgründer der Fa. Kodak, hatte wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Rollfilme und der Innovation der Kamera- und Filmtechnik in Verbindung mit dem Namen „Kodak“. Eastman entwickelte mit einigen Partnern 1884 das Negativpapier (Stripping-Film), mit dem es möglich war, mehrere Bilder hintereinander aufzunehmen. Das war somit auch die Geburtsstunde des ersten Rollfilms, die dann von Kodak vermarktet wurden. 1886 stellte die heute weltbekannte Fa. Kodak seine erste Kamera (Kodak Nr. 1) mit dem Slogan: „Sie drücken den Knopf, wir machen den Rest“ vor.
Der Amerikaner Hannibal Goodwin (1822-1900) reichte seinen entwickelten Zelluloidfilm am 02.05.1887 zum Patent ein, jedoch wurde von der Fa. Kodak, unter Eastman behauptet, sie hätten diesen Rollfilm auf Zelluloidbasis erfunden, ein heftiger Rechtsstreit entwickelte sich, bis Goodwin am 13.09.1889 das US-Patent erhielt. Die Goodwin Film & Camera Co wurde 1900 durch Goodwin, kurz vor seinem Tod gegründet, bevor die Produktion begonnen hatte.
Durch die Entwicklungen der Rollfilm- und Kameratechnik erlebte die Fotographie um die Jahrhundertwende sowohl bei Amateur- als auch bei den Berufsfotographen einen wahren Aufschwung.
Durch die rasante Entwicklung der Fotographie werden auch die Formate kleiner, es entstehen besonders zu Beginn und im Laufe des 20. Jahrhunderts neue Kameras, Aufnahme- und Verarbeitungstechniken und –technologien.
Der erste, von den franz. Brüdern Auguste (1862-1954) und Louis Lumière (1864-1948) entwickelte, Farbfilm (Autochromplattentechnik) kommt 1907 auf den Markt. Später setzten die Fotoemulsion und der Dreischichtenfarbfilm, der von Kodak und Agfa ab 1914 produziert und weltweit vermarktet wurde. In den 1930er Jahren setzten sich die Farbumkehrfilme (Kodachrome, Agfacolour) durch und machten die Fotographie in Farbe bekannt. 1941 etablierte sich der Kodacolour-Farbnegativfilm auf dem Markt.
Oskar Barnack (1879-1936) konstruierte und baute bei dem deutschen Unternehmen Leica 1913 die weltweit erste Kleinbildkamera (Ur-Leica), eine Schnappschusskamera, die vor allem im privaten Bereich verwendet wurde – die Bilder wurde im kleinen Format aufgenommen und später vergrößert. 1925 ging die Leica (Sucherkamera, 50 mm Brennweite) mit großem Erfolg in Serie und wurde 1926 durch den ersten Diaprojektor „Uleja“ (Kleinbildformat) ergänzt.
In den 1950er Jahren konnte die traditionelle Sucherkamera mit der Spiegelreflexkamera ergänzt werden, die seitdem durch den Einbau elektronischer Bauelemente immer weiter entwickelt werden, wie z. B. 1963, die erste „Canon“-Kamera mit vollautom. Schärfeeinstellung oder in den 1970er Jahren die vollautomatische „Rollei“-Kamera.
Nach dem 2. Weltkrieg bis heute erobert die Polaroid-Kamera, die der US-Amerikaner Edwin H. Land (1909-1991) 1947 entwickelte, die Herzen der Amateurfotografen, denn schon kurz nach der Aufnahme kann die fertige Fotographie „bestaunt“ werden.
Auch weiterhin ist die Entwicklung der Fotographie auf dem Vormarsch, wobei sich die Technik und die Verfahren immer mehr von denen der klassischen Fotographie entfernen. Das heißt, heute kommen immer mehr Elektronik, Digital- und Computertechnik, sowohl bei den Aufnahmen als auch bei der Bildbearbeitung und Bildverarbeitung zum Einsatz. Es werden kaum noch chemische Reaktionen benötigt, vielmehr lösen Computer die traditionelle Fotographie ab – neue Verfahren der Fototechnik gewinnen an Bedeutung.
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