War die Bildbearbeitung bei Fotos, Negativen und Dias noch ausschließlich Profisache, so versuchen sich in Zeiten der digitalen Fotografie zahlreiche Hobbyfotografen ebenfalls an der Bildbearbeitung. Doch sie sind oftmals von einem professionellen Bildergebnis weit entfernt, weil fotografisches Fachwissen und Kenntnisse in der Bedienung der Bildbearbeitungsprogramme fehlen. Aus diesen Gründen ist die professionelle Bildbearbeitung nach wie vor überwiegend Sache von Fachleuten.
In der professionellen Bildbearbeitung werden unterschiedliche Verfahren angewendet, um Aufnahmefehler oder technische Probleme zu korrigieren. So kann beispielsweise der berühmte Rote-Augen-Effekt mit digitalen Methoden relativ problemlos korrigiert werden. Ebenso ist es möglich, Über- und Unterbelichtungen auszugleichen und Bildrauschen, Kontrastschwäche, stürzende Linien oder Unschärfen und Farbstichigkeit zu entfernen. Dabei ist es relativ unerheblich, ob diese Fehler durch menschliche Bedienfehler, schwierige Außenbedingungen oder technische Probleme verursacht wurden. Zu den besonderen Techniken der professionellen Bildbearbeitung zählen beispielsweise das Abwedeln und die Unscharfmaskierung. Das Abwedeln ist ein Verfahren, bei dem die Belichtungszeit bestimmter Bildpartien nachträglich verkürzt wird. Dadurch können Fehler, wie zu starke Negativkontraste, korrigiert oder besondere Bildeffekte geschaffen werden. Die Unscharfmaskierung ist eine Filtermethode, um die Schärfe eines Fotos zu erhöhen. Hier wird zunächst eine unscharfe Kopie eines Fotos erstellt. Im Anschluss wird diese unscharfe Kopie über das erste Bild gelegt, wodurch die Kanten und Linien optisch verbessert werden. Das wiederum extrahierte Bild ist dann schärfer, als die Ursprungsversion.
Zu Zeiten der analogen Fotografie mit Aufnahmen auf Filme war jede Art von Bildbearbeitung, ob vom Foto, Negativ oder Dia, nur Profis vorbehalten, welche einerseits über das notwendige Fachwissen und andererseits über die entsprechende Ausstattung verfügten. Bei der traditionellen Bildbearbeitung kamen beispielsweise Chemikalien und Spezialgeräte zum Einsatz.
Bei der digitalen Bildbearbeitung steht die computergestützte Bearbeitung von Aufnahmen in Dateiform im Vordergrund. Die dafür notwendige Ausstattung an Hard- und Software stellt keine allzu hohen finanziellen Anforderungen, sodass sich nahezu jeder Besitzer einer Digitalkamera auch mit der nachträglichen Bildbearbeitung befasst. Für eine notwendige professionelle Bildbearbeitung fehlen den Laien oder Hobbyfotografen meistens nicht nur die Fachkenntnisse in Bezug auf die Fotografien, sondern auch das über Grundkenntnisse hinausgehende Programmwissen.
Die hybride Bildbearbeitung schließlich macht sich die Vorzüge beider Techniken zu Nutzen und wird daher heute häufig bei Papierabzügen von Negativfilmen angewendet. Das Verfahren wurde in den 1990er Jahren entwickelt. Für die hybride Bildbearbeitung wird der Film in einem Vergrößerungsgerät ausbelichtet. Eine lichtdurchlässige Spezialscheibe liegt zwischen Film und Foto. Sie kann mit Hilfe von elektrischem Strom lichtundurchlässig gemacht werden. Dadurch sind Nachbelichtungen und weitere Verfahren der professionellen Bildbearbeitung problemlos und schnell möglich.
Insbesondere in der Wirtschaft kommt die professionelle Bildbearbeitung heute in zahlreichen Bereichen zum Einsatz. So müssen beispielsweise für Werbemedien Aufnahmen perfektioniert werden. Im Fotostudio entbindet die professionelle Bildbearbeitung den Fotografen zwar nicht davon, sich schon bei der Aufnahme um eine möglichst gute Aufnahme zu bemühen, erlaubt aber noch eine anschließende Nachbesserung. So können beispielsweise die Fotos für den biometrischen Reisepass noch nachträglich etwas korrigiert werden. Auch bei Portraitaufnahmen oder Bewerbungsbildern kann die digitale Bildbearbeitung zum Einsatz kommen. So können leichte Unebenheiten oder Verfärbungen des Gesichts ausgeglichen werden. Besonders die Bearbeitung solcher Aufnahmen erfordert jedoch ein hohes Fingerspitzengefühl und viel Fachwissen, da eine zu starke Bearbeitung dieser Feinheiten für den Betrachter sofort erkennbar wäre und unprofessionell wirkt.
Foto: debit – Fotolia.com